Die Nürnberger Gespräche 2024 standen in diesem Jahr unter dieser konfliktträchtigen Frage. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und die Bundesagentur für Arbeit (BA) waren zusammen mit der Stadt Nürnberg Gastgeber zu dieser Veranstaltung. Interessante Redebeiträge, aber auch das ungeschönte Beschreiben des Istzustandes und die sich daraus ergebenen Notwendigkeiten für die Zukunft waren Inhalt eines gesellschaftspolitisch notwenigen Austausches.

Die Veranstalter des Abends hatten traditionsgemäß in den historischen Rathaussaal der Stadt Nürnberg geladen und somit nun schon zum 20. Mal zu den Nürnberger Gesprächen gebeten. Viele Gäste waren der Einladung gefolgt und erwarteten eine spannende Diskussion und einen erkenntnisreichen Abend. Der Moderator Uwe Ritzer, von der Süddeutschen Zeitung, führte durch den Abend. Zur Begrüßung sprach die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Elisabeth Ries, in Vertretung des erkrankten Nürnberger Oberbürgermeisters. Ries wies in ihrer Begrüßung auf die lange Tradition der Nürnberger Gespräche hin und erinnerte sowohl an ruhige, aber auch hitzige Veranstaltungen in diesem Format. Ries sprach die aktuellen Herausforderungen der Zeit an und berichtete von Auswirkungen bis auf die Ebene der Nürnberger Stadtpolitik.

Im Anschluss übernahm Uwe Ritzer die Vorstellung der Podiumsdiskutanten. Als erstes stellte er Evelyn Räder, die Abteilungsleiterin Arbeitsmarktpolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund, vor. Dann bat er Sven Nobereit, den Leiter der Abteilung Sozial- und Arbeitsmarktpolitik beim Verband der Wirtschaft Thüringens, auf das Podium. Gefolgt von Herrn Prof. Dr. Ulrich Walwei, dem Vizedirektor des IAB und Honorarprofessor für Arbeitsmarktforschung am Institut für Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie der Universität Regensburg.

Zuletzt kam Andrea Nahles, die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, dazu und vervollständigte die Diskussionsrunde. Das Thema Rente war eines der großen Themen für die Diskussion. Die Notwendigkeit der Überarbeitung und Weiterentwicklung unseres Rentensystems stellten die Diskutanten als erstes zur Debatte. Sowohl die Forderung eines einheitlichen Rentensystem in das alle Arbeitenden einzahlen als auch die mögliche Absicherung des bestehenden Systems wurde diskutiert. Eindeutig war Andrea Nahles in ihrer Einschätzung, dass es für einen grundlegenden Umbau unseres Rentensystem an den notwendigen politischen Mehrheiten in unserem Land fehlen würde. Weiter ging es um die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und deren Flexibilisierung. Auch die Betriebsrenten, so waren sich die Diskutanten einig, werden ein wichtiger Baustein unseres Rentensystem bleiben. Viel Potential sahen die Beteiligten im Bereich der Fortbildung, um für den sich verändernden Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben. Konkret wurde hier das Qualifizierungsgeld des SGB III. angesprochen, welches erstmals in Arbeit befindlichen Zusatzqualifikation möglich macht, die gefördert werden können. Auch die Notwenigkeit hierfür war allgemeiner Konsens in der Runde und wurde am Beispiel des Autobauers Ford in Saarlouis und seinen Zulieferern verdeutlicht.

Am Ende waren sich alle im Saal einig in der Einschätzung, dass unser Arbeitsmarkt und unsere Sozialsysteme vor großen Herausforderungen stehen. Für diese Herausforderungen wurden aber bei weiten noch nicht für jeden Bereich bereits zukunftsfähige Lösungen gefunden.

von Karsten Ristow, Geschäftsführer

Prof. Ulrich Walwei, Andrea Nahles, Sven Nobereit, Uwe Ritzer

Elisabeth Ries, Kulturreferentin Stadt Nürnberg